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Quo vadis, Ortsverein Altengroden? :

Bericht in der Wilhelmshavener Zeitung vom 04. Juli 2009

 

Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Altengroden – Mit überwältigender Mehrheit für den Fortbestand des SPD-Ortsvereins Altengroden und gegen eine Fusion mit dem neuen Ortsverein West

„Diskussion zum Fortbestand des SPD-Ortsvereins Altengroden – der Anlass ist ernst und Deine Meinung dazu ist von ausschlaggebender Bedeutung.“ Unter diesem Motto hatte der SPD-Ortsverein Altengroden zu einer Mitgliederversammlung eingeladen. „Zwar keine Traumquote, aber eine gute Beteiligung von über 30 Prozent,“ konstatierte der amtierende Altengrodener SPD-Vorsitzende Uwe Nolle in seiner Begrüßung und mit verschmitzten Seitenblick auf den ebenfalls eingeladenen Kreisverbandsvorsitzenden Helmut Stumm, „denn die mit ziemlich viel Tamtam und Vorschusslorbeeren bedachten neuen Ortsvereine West und Süd hatten in ihren Fusionsversammlungen eine Beteiligung von jeweils nur rd. 20 %.“

In den folgenden 2 1/2 Stunden dann entwickelte sich eine rege, wenngleich einseitige Diskussion. Einseitig, was das Ergebnis angeht, wie die Ratsfrau Margit Stoermer zum Ende hin als Resümee feststellte. Selbst die wenigen Befürworter wollten eine Fusion nur mit „Auflagen“, die in einem - bekräftigt wurde: einklagbaren - Fusionsvertrag festzuschreiben wären. Den Erhalt des Namens „Altengroden“ etwa. Es dürfe keinesfalls so sein wie in Neu-West und Süd, wo sozialdemokratisch-traditionsreiche Namen wie “Siebethsburg“ oder „Bant“ dem Kalkül einiger geopfert wurden. In Kandidatenlisten müsse Altengroden an aussichtsreicher dritter Stelle geführt werden. Traditionelle Veranstaltungen wie „Skat- und Kniffelabend“ und die Beteiligung am Ruscherei-Förderverein müssen erhalten bleiben.

Die überwältigende Mehrheit votierte gegen eine Fusion. Dabei mag es Helmut Stumm ein Déja-vu-Erlebnis gewesen sein, als von einer Konferenz der Vorstände der „Nordvereine“ berichtet wurde. Man hatte deren Vorstände nach Voslapp zu einer Fusionskonferenz eingeladen, bei der Helmut Stumm eindringlich für eine Fusion „Nordverein“ warb. Am Ende aber beharrten alle Teilnehmer auf Eigenständigkeit wie bisher, aus denselben oder ähnlichen Gründen, wie auch Altengroden sie zuvor und stets geäußert hat. Die Argumente für die propagierten Großvereine überzeugen einfach nicht. Da hilft auch eine gebetsmühlenhafte ständige Wiederholung durch interessierte Kreise nicht. Wie weiter bekannt wurde, will auch Heppens eigenständig bleiben. Die so häufig beschworene Schlagkraftsteigerung lässt sich durch ortsvereinsübergreifende Absprachen erzielen, dazu müssen keine funktionierenden Ortsvereine zerschlagen werden.

Eine Fusion kann richtig und sinnvoll sein, wenn ein SPD-Ortsverein keinen aktiven Vorstand bilden, sozialdemokratische Politik den Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr vermitteln kann, so die Mehrheit. Das Gegenteil aber ist in Altengroden der Fall. Verwiesen wurde eindringlich auf die bewiesene Bürgernähe bezüglich der Annington-Vorgänge. In geradezu vorbildlicher Bürgernähe hat sich der SPD-Ortsverein Altengroden der Sorgen und Nöte der Wilhelmshavener Annington-Mieter angenommen. In zwei Informationsveranstaltungen des Ortsvereins Altengroden mit je rd 130 Teilnehmern platzte die „Ruscherei aus allen Nähten“. In einem großflächigen Ortsverein West mit rd 240 Mitgliedern hätte das unmöglich bemerkt, thematisiert und eine Lösung organisiert und verwirklicht werden können. „Die rückläufigen Mitgliederzahlen erfordern eine Konzentration der Ortsvereine“ – warum kommt den so argumentierenden Kreisvorstandsmitgliedern die naheliegenste Lösung - eine bessere Politik als Mittel gegen rückläufige Mitgliederzahlen - nicht in den Sinn?, wurde gefragt. Der Mitgliederrückgang liegt nicht an kleinen Ortsvereinen. Im Gegenteil - Bürgernähe schafft Vertrauen, Vertrauen fördert Identifikation mit und Verbleib in der SPD! Zentralisierung hingegen schafft Ferne, schreckt ab und wirkt kontraproduktiv.

Der Kreisvorstand reklamiert für sich und droht mit Zwangsfusionen. Bisher hat aber nur der Kreisvorsitzende Helmut Stumm Altengroden (und die anderen betroffenen Ortsvereine) zu einem Meinungsaustausch aufgesucht. Von den übrigen Kreisvorstandsmitgliedern hat sich niemand in Altengroden blicken lassen. Mit Enttäuschung, mit Wut ist diese Arroganz registriert worden - so ein Redebeitrag. Gleiches gilt für die ständigen Versuche maßgeblicher West- und Süd-Protagonisten, mittels Presse- und website-Artikeln Druck auf die Altengrodener SPD auszuüben. Als alleiniges Motiv dafür wurden in einer Wortmeldung die Altengrodener Delegiertenstimmen, das Altengrodener Beitragsaufkommen vermutet.

Vom neuen Ortsverein „West“ trennt Altengroden nicht nur der Stadtpark. Zu räumlicher Trennung haben wir schon Erfahrungen gesammelt, wie sich ein älteres Mitglied erinnerte. Vor gut einem Jahrzehnt bereits haben die Ortsvereins-Vorstände aus Altengroden und Neuengroden eine Fusion angedacht und im Vorgriff dazu eine enge Zusammenarbeit praktiziert. Die jedoch - wechselweise Veranstaltungen in Altengroden und in Neuengroden z. B. - wurden von den Mitgliedern nicht angenommen. Also unterblieb die Fusion. Dieser Effekt ist auch für den neuen Großverein zu vermuten.

Insgesamt jedenfalls dürfte nun wohl das von Altengroden-Kritikern gern benutzte, abwertend gemeinte Klischee vom „kleinen gallischen Dorf in der Mitte Wilhelmshavens“ vom Tisch sein, so das Vorstandsmitglied Jürgen Lempfert mit Genugtuung in einer Art Schlusswort.

Gegendarstellung: Der SPD Ortsverein Altengroden wird unter diesem Gründungsnamen auch weiterhin eigenständig bestehen bleiben.

In einer örtlich regelmäßig erscheinenden Print-Publikation berichtet eine Genossin aus dem Vorstand des neuen SPD-Ortsvereins West über dessen Gründung. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, enthielte der vorgenannte Bericht nicht folgende Unwahrheiten.

Falsch: Es ist davon auszugehen, dass spätestens im Herbst auch der jetzt noch bestehende Ortsverein Altengroden im neuen Ortsverein ´Wilhelmshaven West` aufgehen wird.

Richtig:

Es ist davon auszugehen, dass der SPD Ortsverein Altengroden traditionsbewußt und unter diesem Gründungsnamen auch weiterhin eigenständig bestehen und erhalten bleibt.

Was natürlich eine wie auch immer geartete Fusion in ferner Zukunft nicht zwangsläufig ausschließt.

Die derzeitige Beschlussvorlage des SPD-Kreisvorstandes jedenfalls ist nicht überzeugend, sie beinhaltet mehr Nachteile als Vorteile. Dem Vernehmen nach wird diese Auffassung von den Vorständen der übrigen SPD-Nordvereine geteilt.

Unsere Gründe sind nachfolgend aufgeführt.

Die Beschlussvorlage für den 27. April 2009 ist nachstehend abgedruckt:

Die Beschlussvorlage

Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Kreisverband Wilhelmshaven

Neustrukturierung der Ortsvereine

Beschlussvorlage für den Kreisverbandsvorstand

Nach der Sommerpause 2009 werden die Ortsvereine im Kreisverband Wilhelmshaven wie folgt neu gegliedert:

Ortsverein Süd:
bestehend aus den jetzigen Ortsvereinen Mitte und Bant

Ortsverein Ost:
bestehend aus den jetzigen Ortsvereinen Heppens und Neuengroden/VVT

Ortsverein West:
bestehend aus den jetzigen Ortsvereinen Siebethsburg, West und Altengroden

Ortsverein Nord:
bestehend aus den jetzigen Ortsvereinen Fedderwardergroden, Rüstersiel, Voslapp, Sengwarden/Fedderwarden

Kurzbegründung:
Die rückläufigen Mitgliederzahlen erfordern eine Konzentration der Ortsvereine, um eine schlagkräftige politische Arbeit durchführen zu können und vor allem auch, um in Wahlkämpfen ausreichend „kampagnenfähig“ zu sein. Dies ist durch die Erfahrungen der letzten Jahre klar nachgewiesen und insofern überfällig.

Darüber hinaus wird bei den kommenden Kommunalwahlen wegen der rückläufigen Einwohnerzahl wie auch durch innerstädtische Wanderungsbewegungen eine Neustrukturierung der Wahlbereiche erforderlich sein. Der Beschluss dafür wird vom Rat der Stadt zwar erst ein Jahr vor den Kommunalwahlen getroffen, es zeichnet sich jedoch bereits seit einiger Zeit ab, dass es eine Reduzierung der Wahlbereiche von jetzt sechs auf vier geben wird, die im Zuschnitt straßengenau der hier beschlossenen Neustrukturierung der Ortsvereine entspricht.

Vorschlag zum Verfahren:

 bis zur Sommerpause:
Gespräche zwischen den jeweils betroffenen Ortsvereinen

 zwischen Sommer- und Herbstferien:
Neuwahlen in den neu strukturierten Ortsvereinen

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