Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.
[Walter Scheel, FDP]
Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.
[Walter Scheel, FDP]

06.09.2010 20:15 Uhr:
was!
06.09.2010 20:15 Uhr:
Markt
06.09.2010 21:00 Uhr:
markt
06.09.2010 21:30 Uhr:
Geld & Leben - Das Sozial- und Wirtschaftsmagazin
06.09.2010 21:45 Uhr:
Report aus München

Der Eingangsbereich - eine erste Übersicht
Intensiv wird zur Zeit die „Neugestaltung der Schul- landschaft in Wilhelmshaven“ diskutiert. Einer von mehreren Vorschlägen in diesem Rahmen ist die Verlegung des Außer- schulischen Lernortes von der Altengrodener Schule in die Oldeoogeschule. Gegen diese Absicht wiederum wehren sich dessen Vertreter mit durchaus „gewichtigen“ Argumenten. Gründe genug also für den SPD-Ortsverein Altengroden, dem Außerschulischen Lernort einen Besuch abzustatten, den Außerschulischen Lernort kennenzulernen. Gewichtige Argumente, so der „Chef“ Erich Welschehold und sein Mitarbeiter Manfred Urban in ihrer Begrüßung, sind schlicht und einfach die - z. T. tonnenschweren - Exponate selbst, für deren Gewicht die Oldeoogeschule nicht ausgelegt ist.

Im Foyer - wieder eine Übersicht, bemerkenswert aber ist die Aussage am unteren Bildrand, die mit dem Feuer entfachen. Hut ab, wenn Lust am Lernen geweckt wird.
Entstanden ist der außerschulische Lernort "Bildung für Technik und Natur" als Unter- vorhaben des zertifizierten EXPO-Projektes "Welche Schule braucht die Zukunft unserer Welt?" des Niedersächsischen Kultus- ministeriums. Entsprechend dieser Frage- stellung hat sich der Lernort in Anlehnung an das Motto der EXPO 2000 "Mensch, Natur, Technik" zur Aufgabe gemacht, Kindern, Jugendlichen und Lehrern die Möglichkeit zu bieten, sich handlungsorientiert mit Frage- stellungen im Sinne der Agenda 21 ausein- ander zu setzen.
Hinweis: Die Agenda 21 ist ein nicht unum- strittenes entwicklungs- und umwelt- politisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, ein Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung, beschlossen von 172 Staaten auf der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen“ (UNCED) in Rio de Janeiro 1992. An dieser Konferenz nahmen neben Regierungsvertretern auch viele nicht- staatliche Organisationen teil. Hauptkritik- punkte sind das Auseinanderklaffen von Vision und Wirklichkeit, mangelnde Transparenz bei den Agendazielen und dem Umsetzungsprozess, fehlende demokratische Prozesse, Zusammenarbeit mit Großkonzernen, Befürwortung der Atom- und Gentechnik sowie der Globalisierung, Festhalten an der "Wachstumsideologie".
Im Foyer - ein Hafenbecken mit Verladeinrichtungen.
Mittlerweile rund 60 Schulen aus Wilhelmshaven und aus der Region von Esens bis Varel gehören diesem Lernverbund an. Beteiligt sind alle Schul- formen von der Klasse 2 der Grundschule bis zur Klasse 11 der gymnasialen Oberstufe, die mit ihren Klassen den Lernort in Tages- oder Mehrtagesveran- staltungen zur Projektarbeit aufsuchen. Mittlerweile nutzen jährlich weit über 4 000 Kinder und Jugendliche, über zwanzig- tausend Schülerinnen und Schüler seither, die Angebote des Lernortes.

Der Besprechungs-/Schulungsraum.
Schule ist häufig praxisfern und bis- weilen sogar technikfeindlich. Der Lernort hat sich in Absprache mit den Partnerschulen die Aufgabe gestellt, Schülerinnen und Schüler durch Praxisaufgaben und Projekte hand- lungsorientiert an didaktisch in den Lehrplan eingebettete Themengebiete heranzuführen. Hierzu stehen um- fangreiche, für Schulen sonst nicht üblich ausgestattete Fachräume zur Verfügung. Von grundsätzlichen physikalischen Experimenten, dem Nacherleben von Technikgeschichte, bis hin zur kreativen Umsetzung eigener Lösungsansätze, können hier die Kinder in Tages-, Mehrtagesprojekten oder Kurs- folgen arbeiten. Dabei sind die Materialien didaktisch so aufgearbeitet, dass die Lernenden altersgerecht sowohl einen möglichst selbständigen Zugang, als auch einen eigenständigen Weg bei der Umsetzung des praktischen Arbeitsauftrages finden.

Robby Roboter.
Bei allen Problemstellungen stehen die technischen Lösungsmöglichkeiten im Vordergrund. Aufbauend auf Konzepte der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung, soll die Notwendigkeit des Einsatzes heutiger, moderner Technologien besser eingeordnet und verstanden werden. Bei der Auswahl der Themen ist der enge Bezug zum Umwelterleben der Kinder und Jugendlichen an einem Küstenstandort in den Vordergrund gestellt worden. Das an Modellen, in Experimenten, an erstellten Produkten und in Projekten Erlernte soll im direkten Kontakt mit der Realität in Beziehung gebracht, übertragen und angewendet werden können.
Eine wichtiger Bereich ist das ständig wachsende Nachmittagsangebot, das sich sowohl an förderbedürftige, als auch an besonders interessierte Kinder und Jugendliche wendet. Dies geschieht in Absprache mit Schulen oder in freier Ausschreibung. Das Projekt "Kreativität gefragt", das in Kooperation mit der Fachhochschule Wilhelmshaven und in Partnerschaft mit "NORD-WEST-METALL" seit 2002 mit Studenten und Schülern durchgeführt wird, ist hier hervor zu heben. Kinder und Jugendliche erhalten die Möglichkeit, kreativ am Lernort und der Fachhochschule zu arbeiten.

Die Heimat der Formel-1-Weltmeister.
Jugendliche ab 9ter Klasse können im CAD / CAM-Labor z.B. Modelle oder Modellteile aus Hartschaum oder Elektronikplatinen entwickeln und fertigen. Seit Jahren wird der Bereich mit Erfolg eingesetzt, um Jugendliche die Entwicklung einer Technologie von der Handfertigung über Mechanisierung und NC-Programmierung bis hin zur CAD / CAM-Fertigung praxisnah nachvollziehen zu lassen. Besonders erfolgreich ist seit 2005 der Einsatz der 3D-CAD-Technologie. Hier werden z.B. die Teile aus dem Bereich der Konstruktions- werkstatt in 3D am Bildschirm konstruiert und zusammen gesetzt, bevor sie dann real gefertigt und montiert werden. Sonderteile, ja ganze Konstruktionsmodelle können so entwickelt und mit einer NC-Fräsmaschine gefertigt werden.

Der Formel-1-Pokalschrank - das "Friesendesign".
Der Bereich Küstenschutz wird hauptsächlich von Kindern in den Klassen 4 und 5 genutzt. Am Wellen- und Strömungs- tisch können Ebbe und Flut simuliert und die Veränderung der Küste in den letzten Jahr- tausenden "nachgespielt" werden. An Strömungstischen lassen sich Dämme erproben, Schleusenvorgänge erarbeiten, Hafenformen erkunden und Stromschnellen erforschen. Einen umfassenden Einblick können die Kinder und Jugendlichen durch die seit dem Jahr 2002 mit dem Küstenmuseum am Bontekai und dem Wattenmeerhaus eingerichteten Kooperationsprojekte erhalten. Mit dem Solarwassertaxi "Zukunft" des Lernortes kann in Rüstersiel die neue Sielanlage aufgesucht und besichtigt werden.

Der Formel-1-Pokalschrank - Pokale wie die "Orgelpfeifen".
Das Thema Hafenbau, Schiff- fahrt und Bootsbau wendet sich an Schülerinnen und Schüler schon ab der 2ten Klasse. Hier sind Projekte vom klassischen Experiment zum Thema Auftrieb bis hin zu Windschiffen, die direkt gegen den Wind fahren können, möglich. In Schleppkanälen lassen sich Schiffsrumpfformen untersuchen oder können z. B. Geschwindigkeitsvergleiche mit dem erforderlichen Energie- aufwand in Beziehung gesetzt werden. Antriebsformen von Schiffen über Wind- und Solarenergie sind mit selbst erstellten Modellschiffen zu untersuchen.

Der Formel-1-Pokalschrank - ohne "Glücksteddy" keine Pokale.
Zum Bereich Energie werden insbesondere Experimente und Projektaufgaben in der Nutzung der Solar- und Windenergie angeboten. Jugendliche ab Klasse 6 können hier experimen- tieren und eigene Solarfahrzeuge bauen. Mehrere Modelle zur Funktion der Brennstoffzelle stehen zur Verfügung. Im realen Einsatz können das Solarwassertaxi für 12 (siehe Küstenschutz) Personen oder zwei Einmann- solarboote genutzt werden. An drei Windkanälen lassen sich Untersuchungen zum Windwiderstand, zum Auftrieb und zu Messungen an Windenergie- modellanlagen durchführen.

Der Formel-1-Pokalschrank - jede Menge Boliden.
Einen besonderen Stellenwert hat der im Frühsommer 2006 eingerichtete und offiziell anerkannte und vom Bundes- wirtschaftsministerium geförderte „SIGNO Erfinderclub Technik und Natur e.V.". Unter dessen Regie können Kinder und Jugendliche speziellen Interessen nachgehen und dies mit großem Erfolg wie z. B. im Konstruktionswettbewerb "Mini-Design-Challenge" der Fachhochschule OOW. Im Jahr 2007 hat ein Team gar nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaften „Formel 1 in der Schule" bei den Weltmeisterschaften in Australien den „Sonderpreis für innovatives Denken" der Victoria University Melbourne errungen. In diesem Jahr waren zwei Teams bei der Formel 1 erfolgreich. Einmal wiederum die fünf Jungs von "Friesen-Design", sie wurden von 57 Teams "Deutscher Meister" und zum anderen die Mädchen von den "Excaliburs", sie bauten das schnellste Auto Deutschlands. Beide Teams haben Deutschland mit gutem Erfolg anschließend in Malaysia bei den Weltmeisterschaften gegen 24 Nationen vertreten. Die Besonderheit bei den Mädchen dort war die Zusammenarbeit mit drei Mädchen aus Malaysia, mit denen sie auch zusammen in Kuala Lumpur antraten.

Der "Chef" Erich Welschehold mit einem "Probanden", unserem Max Lempfert, Jg. 1998.
Eine herausragende Rolle spielt der Einsatz der Konstruktionswerkstatt. Hier werden grund- legende Erfahrungen im Bereich technischer Grundfertigkeiten und funktionaler Prinzipien gesammelt, die später erst die kreative Arbeit in den anderen Themenbereichen ermöglicht. In dieser Werkstatt werden Halbzeuge aus Kunststoff und Holz mit Hilfe von handbe- triebenen Maschinen und Vorrichtungen verarbeitet, um funktionstüchtige technische Modelle bis hin zu Kleinstgeräten zu fertigen. Grundfertigkeiten, wie die des Planens, des Lesens von Zeichnungen, des Verwendens von Vorrichtungen, des Gewindeschneidens, des Sägens, Bohrens, Fräsens, Stanzens, Warm- verformens und Montierens werden erworben und geschult. Kinder, insbesondere Mädchen, sind selbst von ihren ungeahnten Fähigkeiten überrascht und werden in ihrem Selbstbe- wusstsein gestärkt. Äußerungen wie: "Das glauben meine Eltern nie, dass ich das kannl" sind in den obligatorischen Abschlussbesprechungen immer wieder zu hören. Begleitende Lehrer bestätigen die hohe Motivation gerade der Schülerinnen und Schüler, die sich im "normalen" Unterricht kaum einbringen oder sonst sehr zurückhaltend sind.

Der PC-Arbeitsraum, die CAD-Werkstatt.
Ein besonderes Projekt im Jahr 2003 war die vom Lernort in Kooperation mit der EWE AG durchgeführte Ausgestaltung des Schulberatungswagens der EWE als mobilen Lernort zum Thema "Energie". Eine Aner- kennung der Arbeit des Lern- ortes ist die im Frühjahr 2004 erfolgte Ernennung zum "LPE - Technik - Kompetenzzentrum Niedersachsen", was hilft, im Lehrmittelbereich immer auf dem aktuellsten Stand zu sein und dies an Interessierte weitergeben zu können. Im Frühjahr 2006 wurde der Lemort auf dem Ideenpark der Firma Thyssen-Krupp als Ideenmacher ausgezeichnet und erhielt die Möglichkeit sich im Ideenpark praxisnah zu präsentieren.